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Warum viele Weingüter mehr Wein verkaufen könnten

Autorenbild: easy ending
easy ending
17. Juni
12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli

Über eine Branche im langsamen Wandel, ziemlich gute Gründe zur Hoffnung – und Dinge, die man zwischen Weinbergen leicht übersieht


Wenn man in einer Weinregion lebt, entwickelt man irgendwann eine ziemlich seltsame Form von Blindheit. Man sieht die Dinge einfach nicht mehr so richtig.

Zum Beispiel, dass zwischen zwei Kreisverkehren plötzlich ein Weingut steht, das aussieht wie die perfekte Kulisse für einen Sommerfilm. Dass irgendwo auf einem Dorfplatz ein Hoffest aufgebaut wird oder man mittwochs um halb vier nachmittags zufällig unter Weinreben sitzt und kurz vergisst, wie absurd schön das hier eigentlich alles ist.


Wir leben in Dörrenbach. Südpfalz. Direkt an der französischen Grenze. Hier ist Wein nicht Event. Wein ist einfach da. Hinterm Supermarkt. Zwischen Fachwerkhäusern. Entlang von Landstraßen. Es gibt hier Weingüter, bei denen man sich jedes Mal denkt: Eigentlich müssten viel mehr Menschen diesen Ort kennen und besuchen. Nicht unbedingt, weil der Wein dort besser wäre als überall sonst. Sondern weil manche Orte einfach hängen bleiben. Weil man sich Monate später plötzlich noch an diesen einen Innenhof erinnert. An die langen Holztische unter den Bäumen. An den Abend, der eigentlich nur auf ein schnelles Glas hinauslaufen sollte und dann doch deutlich länger wurde. Daran, wie irgendwann ein Hund über den Hof lief, jemand noch eine Flasche zum Probieren aufgemacht hat und derselbe Onkel zum fünften Mal erklärte, warum der Jahrgang 2001 bis heute unterschätzt wird.


Viele Unternehmen würden ziemlich viel dafür geben, genau so etwas zu haben. Ein gutes Produkt hinzubekommen ist schon schwer genug. Eines zu haben, das zusätzlich noch Geschichte, Atmosphäre und echte Erinnerungen mitbringt, deutlich seltener. Während anderswo Marken erst mühsam versuchen, Nähe, Herkunft und Glaubwürdigkeit aufzubauen, ist bei Weingütern erstaunlich viel davon längst vorhanden. Nicht künstlich aufgebaut, sondern über Jahre gewachsen. Vielleicht fühlt sich Wein deshalb bis heute oft wie eine ziemlich sichere Welt an. Der Hofladen läuft, die Stammkundschaft bestellt, das Hoffest ist voll und viele Familien machen das alles seit Generationen. Ehrlich gesagt: zurecht. Vieles davon funktioniert ja auch erstaunlich gut.

Wenn etwas lange trägt, stellt man selten grundsätzliche Fragen. Warum auch? Vieles wirkt verlässlich. Fast so, als könnte es genau in dieser Form einfach für immer weitergehen.

Besucher eines Weinguts sitzt mit einem Glas Wein vor den Reben und genießt die Atmosphäre. Das Bild symbolisiert die Bedeutung von Erlebnissen, Erinnerungen und Kundenbindung im modernen Weinmarketing

Und vielleicht ist genau das manchmal die Schwierigkeit: Veränderungen kündigen sich selten laut an. Meistens kommen sie schleichend. Erst wirkt alles wie immer. Und irgendwann merkt man, dass manche Hoffeste kleiner geworden sind, weniger junge Menschen nachkommen oder plötzlich ein Weingut aufhört, von dem man eigentlich dachte, dass es für immer Bestand haben würde. Nicht, weil der Wein schlechter geworden wäre. Sondern weil sich außerhalb der Weinberge etwas verschoben hat. Menschen trinken heute anders als noch vor zwanzig Jahren. Sie entdecken Orte anders, verlieben sich anders in Produkte und erinnern sich anders an Dinge, die sie begeistert haben.


Also: Glas einschenken, kurz hinsetzen. Wir haben da ein paar Gedanken zu einer Branche, die eigentlich ziemlich viel richtig macht.. und trotzdem gerade vor ein paar stillen Veränderungen steht.





Früher Riesling. Heute Aperol. Und manchmal gar nichts.


Wenn man einmal von der eigenen Hofeinfahrt wegzoomt, sieht die Lage ziemlich nüchtern aus. In Deutschland wird weniger Wein getrunken – und zwar nicht nur gefühlt.

Laut Deutschem Weininstitut ist der Pro-Kopf-Konsum von Wein in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Im Wirtschaftsjahr 2020/21 trank eine Person über 16 Jahren im Durchschnitt noch 24,3 Liter Wein pro Jahr. 2024/25 waren es nur noch 21,5 Liter. Klingt erstmal nicht dramatisch. Ist aber innerhalb weniger Jahre ungefähr eine Flasche Wein weniger pro Person – jedes Jahr. Gleichzeitig gingen 2025 sowohl die gekauften Mengen als auch die Umsätze im Weinhandel um rund sieben Prozent zurück. Und auch die Zahl der Haushalte, die überhaupt regelmäßig Wein kaufen, sinkt seit Jahren.


Dazu kommt, dass Alkohol insgesamt anders betrachtet wird als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Laut aktuellen YouGov-Daten konsumierten 2025 nur noch 68 Prozent der Deutschen überhaupt Alkohol. Zehn Jahre zuvor waren es noch 78 Prozent. Besonders bei jüngeren Zielgruppen verändert sich das Verhalten spürbar. Viele trinken bewusster, seltener oder phasenweise gar nicht. Knapp 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen geben mittlerweile an, keinen Alkohol zu trinken. Gleichzeitig wächst der Markt für alkoholfreie Alternativen deutlich.


Und ja – auch Cannabis gehört seit der Teillegalisierung irgendwie zu diesem neuen Bild. Nicht als großer Gegenspieler des Rieslings. Aber als weiteres Zeichen dafür, dass Genuss, Entspannung und soziale Rituale heute breiter verteilt sind als früher. Wein konkurriert längst nicht mehr nur mit anderem Wein. Manchmal konkurriert er mit Aperol auf einer Dachterrasse. Manchmal mit einem alkoholfreien Drink. Manchmal schlicht mit einem Abend, an dem niemand Lust hat, überhaupt etwas zu trinken. Oder anders gesagt: Die Konkurrenz ist heute oft nicht der Nachbarwinzer, sondern die Frage, worauf Menschen an einem Freitagabend überhaupt Lust haben.



Menschen genießen gemeinsam Cocktails in einer Bar. Die Szene steht symbolisch für neue Konsumtrends und die zunehmende Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Freizeit. Im Marketingblog von Easy Ending geht es darum, wie Weingüter auf diese Veränderungen reagieren können

Vielleicht ist genau das der eigentliche Unterschied zu früher:


Wein ist vielerorts nicht mehr selbstverständlich.


Nicht falsch verstehen: Menschen lieben weiterhin guten Wein. Wahrscheinlich sogar mehr denn je. Qualität, Herkunft und Handwerk werden oft bewusster geschätzt. Gleichzeitig ist Wein heute seltener Automatismus. Früher war Wein in vielen Familien, Regionen oder sozialen Kreisen einfach Teil des Lebens. Heute muss er sich häufiger aktiv entscheiden lassen – zwischen tausend anderen Möglichkeiten, Routinen und kleinen Ritualen, die ebenfalls um Aufmerksamkeit konkurrieren.



Parallel hat sich verändert, wie Menschen Orte entdecken. Ein Weingut wird heute nicht mehr nur empfohlen, sondern gefunden. In einer Google-Suche. In Bewertungen. In gespeicherten Instagram-Posts. In einem Reel von einem Hoffest oder einer kleinen Afterhour im Hof, bei der die Musik stimmt, das Licht gut fällt und plötzlich dieses kleine Gefühl entsteht: Da möchte ich irgendwann mal hin.


Das ist nicht oberflächlich. Es ist nur eine andere Form von Orientierung.

Früher musste ein Weingut vor allem in der Region präsent sein. Heute kann jemand aus Hamburg, Köln oder Stuttgart nach einem Wochenende in der Pfalz suchen und innerhalb weniger Minuten entscheiden, welche Orte sich gut anfühlen. Nicht anhand einer riesigen Werbekampagne. Sondern anhand von Bildern, Öffnungszeiten, Bewertungen, einer halbwegs angenehmen Website und dem Gefühl, dass dort etwas wartet, das zum eigenen Leben passt.


Und gleichzeitig ist Wein online zu kaufen längst keine seltsame Sonderlösung mehr. Versand ist normal geworden. Menschen bestellen Lebensmittel, Möbel, Kleidung, Tierfutter und Geburtstagsgeschenke online, ohne daraus eine Grundsatzentscheidung zu machen. Warum also nicht auch den Wein, den sie irgendwo entdeckt, probiert oder liebgewonnen haben? Ehrlicherweise steckt darin nicht nur Risiko. Sondern auch ziemlich viel Potenzial. Denn gleichzeitig war es vermutlich noch nie so einfach, Menschen weit außerhalb der eigenen Region für ein Weingut zu begeistern – lange bevor sie überhaupt das erste Mal vor Ort sind.





Zwischen Bauchgefühl und Vollbremsung 


Die meisten Weingüter spüren vieles davon wahrscheinlich längst selbst. Vielleicht nicht in Form von Statistiken oder Marktberichten. Eher als Gefühl, dass manches nicht mehr ganz so selbstverständlich läuft wie früher.


Und ehrlicherweise: Warum solltest du sonst auf einem Artikel wie diesem landen? Wer nach Themen wie Weinverkauf, Sichtbarkeit oder neuen Wegen fürs eigene Weingut sucht, macht das meistens nicht völlig grundlos. Das Bewusstsein ist oft längst da. Und trotzdem passiert häufig nichts. Nicht, weil man es ignoriert. Sondern weil Veränderungen selten nur Motivation auslösen. Häufig bringen sie eine ganze Reihe ziemlich nachvollziehbarer Fragen und Sorgen mit sich.


Ein paar davon hören wir in Gesprächen mit Weingütern tatsächlich ziemlich oft:




„Aber wenn wir moderner werden, verlieren wir uns.“


Wahrscheinlich ist das die größte Sorge überhaupt. Und zugleich eine ziemlich nachvollziehbare.


Denn wenn man ein Weingut führt, geht es selten nur um ein Produkt. Oft geht es um etwas, das über Jahre oder Generationen gewachsen ist. Um einen Ort. Einen Stil. Eine Art, Dinge zu machen. Vielleicht sogar um die leise Angst, dass plötzlich alles gleich aussieht, wenn man einmal anfängt, „moderner“ werden zu wollen.


Und vermutlich meint kaum jemand damit wirklich eine neue Website oder einen Onlineshop. Gemeint ist oft etwas anderes. Die Sorge, plötzlich künstlich zu wirken. Lauter zu werden, als man eigentlich ist. Irgendwann zwischen Instagram, Marketing und irgendwelchen Trends etwas zu verlieren, das sich bisher immer ziemlich echt angefühlt hat.


Man kennt die Bilder ja selbst. Menschen, die plötzlich Dinge machen, die eigentlich überhaupt nicht zu ihnen passen. Unternehmen, die auf einmal sprechen wie irgendwelche Social-Media-Praktikanten. Oder Marken, bei denen man sich fragt, ob dort noch dieselben Menschen arbeiten wie vor zwei Jahren.


Daher vorab: Niemand braucht peinliche TikTok-Tänze im Weinkeller.


Vielleicht liegt genau hier aber auch ein großes Missverständnis. Denn moderner werden bedeutet nicht automatisch, jemand anderes werden zu müssen. Eine gute Website verändert kein Weingut. Ein Onlineshop verändert keinen Wein. Und ein Instagram-Account macht aus einem ruhigen Familienbetrieb noch lange keine Influencer-Marke. Eigentlich geht es um etwas deutlich Langweiligeres – und gerade deshalb Sinnvolleres:


Darum, sichtbar zu machen, was längst da ist.


Dass Menschen sehen können, wann geöffnet ist. Dass eine Website nicht wirkt, als hätte sie den Jahrgang 2012 nie verlassen. Dass jemand Monate nach einer Weinprobe noch weiß, wo bestellt werden kann. Dass man einen Eindruck davon bekommt, wer hinter einem Weingut steckt, ohne dafür erst drei Empfehlungen und einen Zufallsmoment auf einem Dorffest zu brauchen.


Menschen sollen online nicht etwas völlig anderes erleben als später vor Ort. Im besten Fall bekommen sie einfach schon eine ungefähre Ahnung von dem Gefühl, das sie erwartet.


Moderner werden bedeutet nicht, das Alte auszutauschen – sondern etwas Neues daneben entstehen zu lassen. Niemand sagt, dass plötzlich alle Etiketten aussehen müssen wie in irgendeinem Berliner Concept Store. Wahrscheinlich wäre das sogar ziemlich schade. Aber vielleicht spricht auch nichts dagegen, einmal eine kleinere Serie auszuprobieren. Einen Wein etwas anders zu erzählen. Ein Etikett zu gestalten, das sich für eine neue Zielgruppe plötzlich vertraut anfühlt, ohne dass deshalb gleich die ganze Familiengeschichte umgeschrieben werden muss.


Wer einmal vor einem Weinregal stand, kennt das Gefühl vermutlich selbst. Hundert Flaschen. Viel Tradition. Viel Goldschrift. Viel „seit 1898“. Und dann bleibt der Blick plötzlich an etwas hängen, das ein kleines bisschen anders wirkt. Etwas klarer. Frischer. Vielleicht minimalistischer. Vielleicht einfach nur mutiger. Eine ungewöhnliche Illustration. Eine ruhigere Typografie. Irgendetwas, das sich anfühlt, als hätte dort jemand verstanden, dass gute Gestaltung keine Nebensache ist, sondern manchmal der erste kleine Grund, warum man überhaupt zugreift.



Weinflaschen mit verschiedenen Etikettendesigns stehen in einer Reihe. Die Aufnahme veranschaulicht die Bedeutung von Gestaltung, Branding und Sichtbarkeit für moderne Weingüter. Easy Ending zeigt, wie authentisches Weinmarketing die Geschichte eines Weinguts nach außen tragen kann


Am Ende geht es also gar nicht darum, plötzlich jemand anderes zu werden. Sondern einfach darum, da zu sein. Sich zu zeigen, wie man ist. Und Dinge mitzunehmen, die in vielen anderen Branchen längst selbstverständlich geworden sind.





„Wir haben doch schon genug Arbeit.“


Auch verständlich. Denn ehrlicherweise wirkt das Thema wie ein zusätzlicher Vollzeitjob. Zwischen Weinlese, Büro, Keller, Veranstaltungen, Familie und den ungefähr 27 Dingen, die auf einem Weingut sowieso gleichzeitig passieren, klingt „mehr Marketing“ für viele ungefähr so attraktiv wie Regen kurz vor der Lese.


Die Sorge dahinter ist oft ziemlich simpel: Wer soll das eigentlich noch alles machen?

Schnell entsteht das Gefühl, dass man plötzlich täglich posten, ständig erreichbar sein oder sich nebenbei noch eine zweite Karriere als Social-Media-Manager aufbauen müsste.


Genau darum geht es gar nicht.


Es geht weniger um Dauerstress als um ein gutes Setup. Eine Website, die funktioniert – aber eben auch Lust macht. Die nicht nur Öffnungszeiten auflistet, sondern ein Gefühl dafür vermittelt, was einen dort eigentlich erwartet. Ein Shop, der verständlich ist. Kontaktmöglichkeiten, die man nicht erst suchen muss. Ein paar gute Bilder. Ein ehrlicher Eindruck davon, wer hinter dem Weingut steckt und warum man dort irgendwann gerne einmal vorbeischauen würde. Keine Raketenwissenschaft.


Und auch beim Thema Versand klingt vieles oft größer, als es später tatsächlich ist. Niemand muss plötzlich rund um die Uhr Pakete packen. Viele Dinge lassen sich erstaunlich pragmatisch lösen. Ein oder zwei feste Versandtage pro Woche. Eine Abholung vereinbaren. Kleine Abläufe schaffen, die neben dem eigentlichen Alltag funktionieren.


In vielen anderen Branchen wären solche Dinge längst kein besonderes Marketing mehr. Sondern einfach normales Tagesgeschäft. Es geht nicht darum, plötzlich noch mehr zu machen. Sondern die Dinge, die ohnehin schon da sind, mit überschaubarem Aufwand etwas zugänglicher zu machen.


Good News: Man muss das auch nicht alles alleine stemmen. Natürlich gibt es Agenturen, bei denen man sofort merkt: Das passt nicht. Zu groß, zu glatt, zu weit weg von der eigenen Welt. Aber die Realität sieht oft ganz anders aus, als viele denken. Der Großteil der Agenturen sitzt nicht in riesigen Glasbüros und entwickelt Kampagnen für Millionenbudgets. Viele sind selbst kleine Teams, inhabergeführt oder fast schon familiär organisiert. Menschen, die sich ihre Kunden bewusst aussuchen und lieber einer echten Familiengeschichte helfen, ihren Weg nach außen zu finden, als den 50. austauschbaren Jingle für irgendeinen Großkonzern zu bauen.



Weinflasche liegt neben einem aufgeschlagenen Magazin und Laptop. Die Szene steht für Branding, Markenentwicklung und kreative Kommunikation für Weingüter. Easy Ending zeigt, wie authentisches Weinmarketing die Persönlichkeit eines Weinguts nach außen tragen kann


Kaum fühlt sich das Ganze plötzlich etwas greifbarer an, taucht oft schon der nächste Gedanke auf.





„Das ist bestimmt teuer.“



Nicht völlig aus der Luft gegriffen. Denn sobald Themen wie Website, Shop, Marketing oder Werbeagenturen auftauchen, denken viele verständlicherweise an große Rechnungen. An monatliche Kosten. An komplizierte Projekte, die plötzlich immer größer werden. Und an das diffuse Gefühl, sich etwas einzukaufen, das am Ende vielleicht nicht wirklich tragbar ist. Vor allem dann, wenn man kein riesiger Betrieb ist.

Die Frage sollte aber eine andere sein:


Was kostet es eigentlich, wenn Menschen nach einer Weinprobe nie wieder bestellen?


Wenn jemand einen richtig schönen Nachmittag auf einem Weingut hatte, den Wein mochte, Freunden davon erzählt – und Monate später der Faden einfach abreißt? Keine Nachbestellung. Keine Neuigkeiten. Kein Anlass, wiederzukommen.


Viele stellen sich solche Themen deutlich größer vor, als sie am Ende tatsächlich sind.

Ein einfacher, sauberer Onlineshop kostet heute oft keine absurden Summen mehr. Je nach Umfang stehen viele Lösungen zur Verfügung. Kosten? Oft irgendwo zwischen ein paar tausend Euro – nicht wenig Geld, klar. Aber eben auch keine Investition, über die man noch seinen Enkeln erzählen muss. Dazu kommt: Die Systeme sind heute meist erstaunlich einfach. Einmal vernünftig eingerichtet, reichen oft eine kurze Einführung, ein paar Abläufe und vielleicht hier und da mal eine Rückfrage. Niemand muss Informatik studiert haben, um Wein online verkaufen zu können.


Und Werbematerial? Die Kosten für hochwertige Flyer, gute Fotos oder ein bezahlter Instagram-Post gleichen sich unter normalen Umständen sogar schon mit einer einzigen Bestellung wieder aus. Wenn Menschen nach einem Besuch zwei- oder dreimal im Jahr nachbestellen, Freunde etwas mitbestellen oder aus einem Urlaubsgast über Jahre ein Kunde wird, relativieren sich viele Summen plötzlich ziemlich schnell.


Zumal auf Weingütern ständig investiert wird. In Technik. Maschinen. Erweiterung. Fuhrpark. Dinge, die Arbeit erleichtern oder Qualität sichern. Ein moderner Traubenvollernter kostet schnell mehrere hunderttausend Euro. Und trotzdem wird investiert, weil klar ist: Es hilft dem Betrieb langfristig. Fast schon ein seltsamer Widerspruch. Für vieles wird selbstverständlich investiert – und ausgerechnet dort, wo später gekauft wird, wird erstaunlich zuverlässig weggeschaut.





„Bestellen heute nicht sowieso alle bei Weinfreunde & Co.?“ 



Wenn man sich heute online umsieht, wirkt vieles ziemlich eindeutig: Große Plattformen. Riesige Auswahl. Professionelle Shops. Gute Preise. Tausende Bewertungen. Preiskampf.

Die Frage liegt nahe: Wie soll ein kleines Weingut da überhaupt mithalten? Vielleicht hilft hier ein Gedanke, der leicht übersehen wird:


Wein funktioniert erstaunlich anders als viele andere Branchen.


Versuch heute mal, ein neues Proteinpulver auf den Markt zu bringen und gegen Marken wie ESN oder More anzukommen. Oder eine Yoga-Leggings-Marke gegen Unternehmen aufzubauen, die seit Jahren Millionen in Werbung, Influencer und riesige Produktwelten investieren. In vielen Branchen gibt es mittlerweile einige wenige Gewinner, die so dominant geworden sind, dass kleinere Anbieter kaum noch sichtbar werden.

Beim Wein passiert das nicht. Menschen suchen keinen objektiv „besten Wein“, wie man vielleicht nach dem besten Staubsauger oder Proteinpulver suchen würde. Wein ist Geschmack. Erinnerung. Anlass. Stimmung. Eine Empfehlung von Freunden.

Genau deshalb konkurriert ein Familienweingut auch nicht direkt mit großen Plattformen.


Menschen bestellen bei Weinfreunde, Hawesko oder ähnlichen Seiten oft, um etwas Neues auszuprobieren. Einen Wein kennenzulernen. Wenn er überzeugt, passiert oft etwas Interessantes: Man schaut nach, wo er eigentlich herkommt. Plötzlich landet das Weingut selbst im Browser.


Vielleicht bestellt man dort beim nächsten Mal direkt. Vielleicht entdeckt man andere Weine. Vielleicht plant man sogar irgendwann einen Besuch. Große Plattformen sind deshalb oft weniger Gegner als gedacht. Manchmal sind sie sogar der erste Kontakt.

Ein Weingut muss online gar nicht alle schlagen. Es reicht schon, für die richtigen Menschen auffindbar zu sein – und mit der Zeit immer wieder neue dazuzugewinnen.



Produktseite eines Weins im Online-Shop von Hawesko. Das Bild zeigt, wie große Weinplattformen zur Entdeckung neuer Weine beitragen und für Weingüter ein zusätzlicher Vertriebskanal sowie ein möglicher erster Kontakt mit neuen Kunden sein können. Im Marketingblog von Easy Ending geht es darum, warum große Weinshops nicht nur Konkurrenz, sondern auch Chance sein können

Vorstellung eines Weinguts auf der Plattform Hawesko mit Informationen zum Winzer und Bildern aus dem Weinkeller. Die Darstellung zeigt, wie große Weinportale nicht nur Wein verkaufen, sondern auch Geschichten, Herkunft und Marken von Weingütern sichtbar machen. Easy Ending beleuchtet im Marketingblog die Bedeutung von Sichtbarkeit und digitaler Präsenz für Weingüter





Noch ist hier gar nichts gelesen


Wir unterschätzen manchmal einfach, wie seltsam sich Übergangszeiten anfühlen.

Weil man sie fast nie erkennt, solange man mittendrin steckt. Im Rückblick wirkt Wandel immer erstaunlich logisch. Natürlich haben Menschen irgendwann anders konsumiert. Natürlich haben sich Gewohnheiten verschoben. Natürlich wurden Dinge digitaler, auffindbarer, vergleichbarer. Aber währenddessen fühlt es sich meistens viel unspektakulärer an. Ein paar Jahre, in denen vieles noch irgendwie funktioniert. Ein paar kleine Irritationen. Hier etwas weniger. Dort etwas anders. Nicht dramatisch genug, um alles infrage zu stellen. Und vielleicht gerade deshalb so leicht zu unterschätzen.


Gleichzeitig steckt darin aber auch etwas Beruhigendes. Denn Wein ist keine Branche der plötzlichen Revolutionen. Niemand wacht morgen auf und baut über Nacht eine perfekt durchorchestrierte Marke mit Millionenbudget, die plötzlich alles verändert. Kein Nachbarwinzer wird nächste Woche fünfzigtausend Euro in eine Instagram-Kampagne stecken und den Rest der Region digital pulverisieren. So funktioniert diese Welt schlicht nicht. Vieles bewegt sich langsam. Vorsichtig. Fast überall gibt es ähnliche Fragen, ähnliche Sorgen, ähnliche Formen des Zögerns. Nicht aus fehlendem Mut – sondern weil Wein eben selten aus schnellen Entscheidungen entstanden ist.


Und vielleicht liegt genau darin die stille Chance dieser Branche.


Erstaunlich viel ist noch offen. Nicht alles wurde entschieden. Und es braucht auch keine riesigen Umbrüche, sondern eher den Moment, in dem man sich ehrlich fragt, wie das eigene Weingut auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Teil der Geschichten von Menschen bleiben kann.


So schön all diese Gedanken auch sind: Irgendwann muss man vermutlich trotzdem aufhören zu grübeln und endlich den verdammten Onlineshop bauen.



Weinkorken liegen nebeneinander, auf einem Korken steht die Aufschrift „Life is too short to drink bad wine“. Das Bild zeigt, wie selbst kleine Details dabei helfen können, ein Weingut erinnerbar zu machen. Im Marketingblog von Easy Ending geht es darum, wie Sichtbarkeit, Persönlichkeit und moderne Kommunikation Weingüter langfristig stärken können







Logo der Werbeagentur Easy Ending aus Dörrenbach. Die Agentur unterstützt Unternehmen bei Branding, Webdesign, Marketing und Kommunikation

Über den Autor

Max Sperber ist Creative Director & Copywriter bei Easy Ending Agency, einem multidisziplinären Studio für Marken, Design und Kommunikation.







Quellen & weiterführende Hinweise


Weinmarkt, Konsumverhalten & Strukturwandel

Tourismus, Erlebniswirtschaft & regionale Identität

  • Pine, B. J., & Gilmore, J. H. (1999). The Experience Economy: Work Is Theatre & Every Business a Stage.

  • Richards, G. (2021). Rethinking Cultural Tourism.

  • Deutscher Weintourismusverband – Entwicklungen im Weintourismus und Besucherverhalten.


Digitalisierung & Customer Journey

  • Court, D., Elzinga, D., Mulder, S., & Vetvik, O. J. (2009). The Consumer Decision Journey. McKinsey Quarterly.

  • Lemon, K. N., & Verhoef, P. C. (2016). Understanding Customer Experience Throughout the Customer Journey. Journal of Marketing.

  • Chaffey, D., & Ellis-Chadwick, F. (2022). Digital Marketing.


Direktvertrieb, Wiederkauf & Kundenbindung

  • Reichheld, F. F. (1996). The Loyalty Effect.

  • Kumar, V., & Reinartz, W. (2018). Customer Relationship Management.

  • Sharp, B. (2010). How Brands Grow.


Generationenwandel & Alkoholkonsum


Easy Ending Marketing für Weingüter

 
 
 

1 Kommentar


Michael Johnson
28. Aug.

Bei saisonalen Onlineshops ist es nicht ungewöhnlich, dass die organische Reichweite während der Hauptsaison stark zunimmt und in den ruhigeren Monaten wieder zurückgeht. Eine durchdachte Kategoriestruktur kann dabei helfen, relevante Suchintentionen ganzjährig abzudecken und vorhandene Inhalte besser zu ordnen. Entscheidend ist, dass Kategorien sinnvoll aufgebaut und auf die tatsächlichen Suchanfragen der Nutzer abgestimmt werden. Dieser Case zeigt anschaulich, wie ein Shop für alkoholfreie Produkte durch eine gezielte Optimierung seiner Struktur die organische Sichtbarkeit nachhaltig ausbauen konnte - https://skalum.agency/cases/seo-erfolgsgeschichte-alkoholfrei/

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